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Ananias Street in Syria seen from Ananias house

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Syrien: Ein Jahr nach Assad, geprΓ€gt von Glauben und Angst

Wie sehen die syrischen Christen ihr Land ein Jahr nach dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024?

Wie sehen die syrischen Christen ihr Land ein Jahr nach dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024?

Assads VermΓ€chtnis ist geprΓ€gt von weit verbreiteter UnterdrΓΌckung und GrΓ€ueltaten gegen Zivilisten, die nach vierzehn Jahren brutalen BΓΌrgerkriegs zu einer tiefen humanitΓ€ren Krise und zur teilweisen ZerstΓΆrung des Landes gefΓΌhrt haben.

Die neuen Machthaber, die HTS (Hayaat Tahrir al-Sham), haben die Bildung einer Übergangsregierung verkündet. Im JÀnner wurde die neue politische Landschaft mit der Ernennung ihres Anführers Ahmed al-Sharaa zum InterimsprÀsidenten offiziell besiegelt.

Kontrastreiche VerΓ€nderungen

Ein Jahr nach dem Sturz des Regimes hat sich die Lage in Syrien grundlegend verÀndert. Einerseits gab es positive Entwicklungen: Die Stromversorgung hat sich im ganzen Land stabilisiert, die MÀrkte sind geâffnet, die Bürger haben neue BeschÀftigungsmâglichkeiten und kânnen ihre Meinung freier Àußern, ohne Verfolgung befürchten zu müssen. Syrien hat erste Schritte unternommen, um wieder Anschluss an die internationale Gemeinschaft zu finden.

Dieses hoffnungsvolle Bild wird jedoch durch die seit Jahresbeginn herrschende WΓ€hrungskrise und die drastischen BeschrΓ€nkungen der Banken beim Abheben von Bargeld stark getrΓΌbt. Viele Beamte sind nun arbeitslos, wodurch ihre Familien in Armut geraten sind. DarΓΌber hinaus hat die Unsicherheit aufgrund sich stΓ€ndig Γ€ndernder Gesetze und fehlender SicherheitskrΓ€fte zugenommen.

InstabilitΓ€t und Gewalt

Zu dieser InstabilitΓ€t kommen zwei schwere GewaltvorfΓ€lle hinzu. Im MΓ€rz 2025 wurde die alawitische BevΓΆlkerung in den KΓΌstengebieten Opfer einer schrecklichen Gewalttat, bei der mehr als 1000 Menschen ums Leben kamen (anderen Quellen zufolge 2100).

Im April und Mai sowie im Juli 2025 kam es in der mehrheitlich von Drusen bewohnten Provinz Suweida im Süden Syriens zu neuen Konflikten, bei denen es vor allem zu Auseinandersetzungen zwischen BeduinenstÀmmen, lokalen drusischen Gruppen und den ÜbergangskrÀften der Regierung kam. Diese Gewaltausbrüche forderten etwa tausend Todesopfer, darunter 539 drusische Zivilisten.

Syrische Christen: Von allgemeiner Besorgnis zu gezielter Gewalt

Die sunnitischen Wurzeln der neuen Regierung haben bei der christlichen Bevâlkerung große Besorgnis ausgelâst. Der islamische Einfluss kontrolliert nun die Staats- und Regierungsinstitutionen. »Überall scheint ein Scheich die wichtigen Entscheidungen zu treffen, sowohl in der Regierung als auch an den Kontrollposten«, erklÀrten mehrere christliche Verantwortliche.

Auch auf den Straßen sind VerÀnderungen sichtbar, denn die ehemaligen Rebellen, die vor dem Sturz des Assad-Regimes nur Idlib und Umgebung kontrollierten, sind nun im ganzen Land verteilt. Überall auf den Straßen sieht man die meist bÀrtigen MÀnner und verschleierten Frauen.

Im Laufe des Jahres wurde das tΓ€gliche Leben fΓΌr Christen aufgrund verschiedener Formen der Verfolgung immer schwieriger.

Am schockierendsten war der Bombenanschlag auf die Mar-Elias-Kirche in Damaskus am 22. Juni, bei dem 25 Menschen ums Leben kamen (22 davon Christen) und etwa 60 Christen verletzt wurden. Dieser Terroranschlag war ein schwerer Schock. Eine Woche lang blieben die Kirchen in ganz Syrien fast leer, und alle AktivitΓ€ten wurden verschoben.

Besondere Herausforderungen fΓΌr Kinder und Frauen

Im Vergleich zu frΓΌher hΓΆren Kinder, die ΓΆffentliche Schulen besuchen, hΓ€ufiger beleidigende Γ„ußerungen von ihren MitschΓΌlern. Β»Die Situation ist so schwierig, dass einige Familien unserer Gemeinde darauf verzichtet haben, ihre Kinder zur Schule zu schicken, weil sie aufgrund ihrer christlichen Religion beleidigt wurdenΒ«, erklΓ€rte Pater Yohana, Priester der syrisch-orthodoxen Kirche in Homs. Daher haben einige Familien beschlossen, die Transportkosten zu ΓΌbernehmen und ihre Kinder zum Schulbesuch in DΓΆrfer in lΓ€ndlichen Gebieten mit christlicher Mehrheit zu schicken, anstatt sie in Schulen der Stadt zu lassen.Β»Noch trauriger ist, dass die Kirche machtlos ist, diese Situation zu Γ€ndernΒ«, fΓΌgt er hinzu.

Frauen werden auf der Straße beleidigt, als »wertlos«oder»UnglÀubige«bezeichnet.»Ich lebe in Angst um meine Familie. Das ganze Jahr über haben meine Kinder viele verschiedene bÀrtige und bewaffnete Menschen gesehen, die ihre Mutter als UnglÀubige beschimpft haben. Jetzt haben sie Angst, alleine auf die Straße oder zur Kirche zu gehen«, erklÀrt Wael verzweifelt. Er arbeitet in einer der Kirchen von Homs.

Kirchenleiter und Kleinunternehmer ausgegrenzt

Auch Gemeindeleiter werden Opfer von Übergriffen. »Letzte Woche haben mich plâtzlich Leute auf der Straße angespuckt. Sie kamen nicht aus der Gegend. Ich bin einfach gegangen, ohne zu reagieren, denn so verhalten wir uns als Christen nicht«, erzÀhlt Pater Isaac aus Homs traurig.

Christen, die kleine GeschΓ€fte betreiben, insbesondere diejenigen, die GeschΓ€fte in muslimischen Vierteln haben, mussten einen RΓΌckgang ihrer Kundschaft hinnehmen, da Nichtchristen nicht mehr bei ihnen einkaufen. Β»In besseren Zeiten haben sie die Kirche unterstΓΌtzt, heute muss die Kirche sie unterstΓΌtzenΒ«, sagt Wael aus Homs.

Die Versuchung, vor Unsicherheit und Drohungen zu fliehen

KΓΌrzlich wurden auch Morddrohungen gegen Christen an KirchenwΓ€nden und in christlichen Stadtvierteln hinterlassen.

Die Christen finden sich inmitten eines Konflikts wieder, der nicht der ihre ist.

In der mehrheitlich von Drusen bewohnten Region um Suweida südlich von Damaskus sind mehr als die HÀlfte der Christen vor der Unsicherheit ins Landesinnere geflohen. WÀhrend des Konflikts in diesem Sommer suchten viele Christen Zuflucht in der Kirche, da es nicht sicher war, in ihren HÀusern zu bleiben. »Ich weiß nicht, wie ich neu anfangen soll. Ich habe mein ganzes Leben verloren, meine Arbeit, mein Zuhause und meine Sicherheit. Niemand kann mir mein Leben zurückgeben«, sagt Fadi, ein 52-jÀhriger Mann aus Suweida. Sein Friseursalon und sein Haus wurden von einer unbekannten Gruppe in Brand gesteckt, und er lebt nun in einem gemieteten Haus in Damaskus.

Β»Nach dem Krieg haben wir an der Restaurierung der Kirche gearbeitet, und jetzt sehe ich, wie sie sich wieder leert, aber wir feiern weiterhin unsere Gottesdienste; die Kirche gibt niemals aufΒ«, erklΓ€rt der Pfarrer der evangelischen Kirche von Kharaba, einem Dorf in der Provinz Suweida.

Norden des Landes unter kurdischer Kontrolle

Der Norden Syriens ist nach wie vor unter kurdischer Kontrolle. In diesem Schuljahr haben die kurdischen Behârden die Verwendung des Lehrplans in kurdischer Sprache in allen Schulen vorgeschrieben. Das führte zur Schließung von 14 christlichen Schulen, die auf Arabisch unterrichteten. Nach langen Verhandlungen haben die Behârden den Kirchen schließlich erlaubt, ihre Schulen zu âffnen und den syrischen Lehrplan zu unterrichten. Die Kinder haben seit Beginn des Schuljahres mehr als einen Monat Rückstand. »Der Glaube unserer Kinder und ihr Vertrauen in die Kirche motivieren sie, geduldig zu sein und in ihrer Heimat zu bleiben«, erklÀrt Morris, syrisch-orthodoxer Bischof von Al-Jazeera.

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